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News-Übersicht17.03.1999Hamburger Morgenpost

Mit 60 Jahren hat Giovanni Trapattoni noch lange nicht fertig

Mit 60 Jahren hat Giovanni Trapattoni noch lange nicht fertig. Der Virtuose unter den Fußballehrern denkt auch zu seinem Geburtstag am Mittwoch keine Sekunde ans Aufhören.

«Ich spüre noch so viel Leidenschaft für den Fußball in mir», sagt der «Maestro» mit strahlenden Augen. Viel lieber spricht Trap über die Titelchancen seines AC Florenz und über das anstehende Pokalfinale gegen den AC Parma als über seine Karriere. Fast schon beschämt gibt der bescheidene Trapattoni schließlich zu, daß er als einer der erfolgreichsten Trainer der Welt «ein Vierteljahrhundert Fußball-Geschichte mitgeschrieben hat» und in Deutschland geradezu zum Kultstar geworden ist.

In Italien ist der als Gentleman auch abseits des Platzes hochgeachtete Trapattoni schlichtweg «der Größte unter den Trainern», wie es Ex-Nationaltrainer Arrigo Sacchi einmal formulierte. In Deutschland ist der ehemalige Bayern-Coach seit seiner legendären Pressekonferenz im März letzten Jahres Kult. Selbst in Italien wird der Auftritt des «Maestro» in «molto vivace» immer wieder im Fernsehen gezeigt. Dezent untertitelt, um das Meisterwerk nicht zu zerstören. Unvergessen seine Abrechnung mit Strunz, Basler und Co., denen er in einer Mischung aus Deutsch und Italienisch vorwarf, sie seien «wie Flaschen leer».

Trapattonis Flaschen sind dagegen so voll wie am ersten Tag seiner Karriere. Aus dem mittelmäßigen und oft zerstrittenen AC Florenz hat der schon als «Auslaufmodell» krisierte Trap in wenigen Monaten eine Meistermannschaft geformt. Vereinspräsident Vittorio Cecchi Gori bot dem erfolgreichsten Trainer Italiens deshalb einen lukrativen Rentenvertrag in Florenz an. «Trap erfreut sich bester Gesundheit, wenn er wild gestikulierend am Spielfeldrand agiert», beruhigt Bayerns Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge diejenigen, die bei den von wildem Pfeifen begleiteten Veitstänzen des Italieners an der Außenlinie stets einen Herzinfarkt befürchten.

In München hat Trap immer noch viele Freunde. «Die Fans fragen auch heute noch nach ihm», erzählte Lothar Matthäus. Und selbst die Zielscheibe des trapattonianischen Wutausbruchs, Thomas Strunz, wünschte dem «Maestro» im italienischen Fernsehen «noch zehn weitere erfolgreiche Jahre als Fußballtrainer».

Trapattonis Erinnerungen an München sind nicht ganz ungetrübt. Sein erster Anlauf scheiterte. Als erster italienischer Trainer kam Trapattoni 1994 nach Deutschland. Ein Jahr später kehrte der erfolglose Pionier aber schon wieder zum Provinzklub US Cagliari nach Italien zurück. «Ich konnte nur 60 Prozent bringen, meine Stärken im Gespräch mit den Spielern nicht ausspielen», erklärte Trap damals. Mit verbesserten Deutschkenntnissen stellten sich im zweiten Anlauf dann in München auch die Erfolge ein. Trap wurde nach seiner Rückkehr nach München 1997 Meister und 1998 DFB-Pokalsieger. Richtig heimisch wurden er und seine Familie in München aber nie. «Ich war einfach sprachlich eingeschränkt in Deutschland», nannte Trapattoni einen Grund für die endgültige Rückkehr in seine Heimat.

Daß er in Deutschland wegen seines «Ich habe fertig»-Ausspruchs in den Medien veralbert und verhöhnt wurde, hat sicherlich ebenfalls zu Trapattonis Entscheidung beigetragen. Für Bayerns Manager Uli Hoeneß war dies sogar der Hauptgrund für Trapattonis Weggang.

In Italien hat Trapattoni alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. 18 nationale und internationale Titel konnte er mit dem AC Mailand, Juventus Turin und Inter Mailand auf seinem Konto verbuchen. Seine erfolgreichste Zeit war das «Trapattoni-Jahrzehnt» von 1976 bis 1986 in Turin. Mit «Juve» gewann Trapattoni sechs Meisterschaften, zwei italienische Pokale, alle drei Europapokale und den Weltpokal. Auch als Spieler gewann Trap mit dem AC Mailand fast alle Titel. 17 mal trug er das Nationalmannschaftstrikot. Europameister oder Weltmeister wurde Trapattoni als Spieler jedoch nie. Die einzigen Titel, die ihm in seiner Sammlung fehlen. Noch - schließlich ist Trap seit Jahren immer wieder ein Wunschkandidat für das Amt des Nationaltrainers in Italien.