News

News-Übersicht14.04.1998Hamburger Morgenpost

Kein Scherz - Hoeneß glaubt: Trapattoni flieht vor Dirty Harry

Überraschend kam er nicht, der Rücktritt von Giovanni Trapattoni bei den Bayern. Über die Gründe herrschte lange Rätselraten. Mittlerweile lüftete der Trainer selbst das Geheimnis - aber Uli Hoeneß tischte einem Millionen-Publikum lieber seine ganz eigene Version der Dinge auf.

Der Bayern-Manager macht allen Ernstes Harald Schmidt verantwortlich. Weil "Dirty Harry" in seiner Show Trapattoni nach dessen legendärer Rede ("Ich habe fertig") durch den Kakao zog. Hoeneß live in "ran" bei SAT.1 gegenüber Reinhold Beckmann: "Die Geschichte, die Harald Schmidt daraus gemacht hat, war eine Sauerei. Ein Trapattoni hat das nicht nötig. Ein Trapattoni hat solche Leute nicht nötig. Harald Schmidt muß noch lange leben, bis er einmal die Größe von einem Giovanni Trapattoni hat."

Beckmann reagierte ebenso irritiert wie verständnislos ("Uli Hoeneß, jetzt sollten wir den Ball ein bißchen flachhalten"). Wahr ist immerhin: Schmidt nahm Trap tatsächlich gehörig auf die Schippe. Ein Bild des finster dreinblickenden Helmut Kohl verspottete er: "Womöglich sagt der Kanzler auch im Kabinett: 'Ich bin müde jetzt Vater diese Spieler. Ich habe immer die Schulde...'." Eine weitere Schmidt-Zote: "Was haben John F. Kenedy, Jens Weißflog, Verona Feldbusch und Giovanni Trapattoni gemeinsam? Sie sind am lustigsten, wenn sie versuchen, deutsch zu reden."

Bei "Wetten, daß..." soufflierte der Gast Schmidt vor kurzem Dragoslav Stepanovic mit Trap-Sprüchen, verulkte vor 15,8 Millionen TV-Zuschauern wiederum sein liebstes Opfer. Hoeneß: "Wochenlang wurde Trapattoni verfolgt und niedergemacht."

Vor zwei Wochen kam der 59jährige in das Büro des Managers, bat um die Vertragsauflösung. Trapattoni: "Es gibt nicht einen einzelnen Grund für diesen Schritt, sondern viele kleine wie die Familie oder auch die Sprache. Ein Trainer muß spüren, wann der Zeitpunkt gekommen ist. Wenn ich in München bleibe, sterbe ich!"